Heute ist der "Jahrestag der Politischen Lüge".
An appeal for a worldwide reading of Anna Politkovskaya's reports on Chechnya. The journalist and critic of Putin was assassinated on October 7, 2006.
Elfriede Jelinek hat uns eine 18 Minütige Aufnahme zukommen lassen, in
derer sie den ersten der Lesungs-Texte, "Machkety. Ein Konzentrationslager mit kommerziellem Einschlag" (aus dem Buch
"Tschetschenien - Die Wahrheit über den Krieg") liest.
Herwig Höller hat uns eine O-Ton Aufnahme von Anna Politkovskaya anläßlich ihrer Graz Lesung 2003 zukommen lassen, in der sie auf die kritische Frage antwortet, was an Putin's Methoden so mittelalterlich sein soll, das wären doch eher sehr moderne Kriegsführungsmethoden. Auf russisch.
For a second time the Peter Weiss Foundation for Art and Politics, based in Berlin, makes an appeal for a worldwide reading on March 20. The aim of these interconnected events is to raise awareness of matters and forms of political communication. Because the lie as instrument of political formations also belongs to the beginning of the twenty-first century, it is imperative that the powers that combat it don't weaken.
In her reportages Anna Politkovskaya described the catastrophe of the Chechen war, which was begun for paltry reasons and has since gone on, conducted far from the public eye. Her texts portray scenes of torture, reconstruct cold blooded murder, condemn the cynicism of bureaucrats, depict the misery and desperation of a civilian population that is being torn between the army and rebels, and offer a nightmarish picture of the climate of state-fueled fear and repression in Russia.
Mit ihrer Berichterstattung versuchte Politkowskaja zu zeigen, dass der Krieg noch nicht beendet war, sondern dass Gewalttaten und Menschenrechtsverletzungen unvermindert anhielten. Sie hielt besonders die Zivilbevölkerung im Blick, die zwischen beiden kämpfenden Parteien aufgerieben wird, und sie beschrieb den sich selbst verstärkenden Kreislauf der Gewalt. Ihre Schilderungen erhellen die perversen Mechanismen des Krieges, exponieren die Bedingungen, unter denen diese funktionieren, und prangern die Nutznießer an.
Ihr letztes Buch schließt mit einer Kritik, die sich an den taktierenden und täuschenden politischen Verantwortlichen vorbei an die Gesellschaft richtet: "Ihr sagt immer nur ‚El Kaida’, ‚El Kaida’. Ein verdammter Slogan. Es ist das Einfachste, die Verantwortung für jede neue blutige Tragödie wegzuschieben. Es ist das Primitivste, womit man das Bewusstsein einer Gesellschaft einlullen kann, die davon träumt, eingelullt zu werden." (aus: "In Putins Russland", S. 314)
Für ihre Arbeit wurde Politkowskaja mit vielen ausländischen Preisen geehrt. 2003 erhielt sie den ersten "Lettre Ulysses Award" für die beste Reportage sowie die "Hermann-Kesten-Medaille". 2004 wurde sie mit dem "Olof-Palme-Preis" geehrt, und ein Jahr später wurde ihr der "Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien" verliehen. In Russland erhielt sie 2001 den "Preis der Journalistenunion". In ihrem Heimatland sah sie sich aber auch ständigen Einschüchterungsversuchen und Drohungen ausgesetzt. Doch einen Leibwächter lehnte sie ebenso ab wie die Flucht ins Exil. 2004 wurde sie Opfer eines Giftanschlages. Am 7. Oktober 2006 erschoss sie ein unbekannter Täter im Aufgang ihres Moskauer Wohnhauses. Die Unterlagen zu ihrem letzten Artikel verschwanden. Anna Politkowskaja hinterlässt zwei Kinder.
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