Arbeiterdichtung

Josef Schiller, Der Geist der Geschichte, 1880/2018

Sendetermin 15.06.2022 19:00 bis 20:00
K P S de
Literatur


Nachzuhören unter: https://cba.fro.at/561764

Als revolutionärer Sozialist und proletarischer Freidenker war Josef Schiller (1846-1897), genannt Schiller Seff, einer der ersten Agitatoren, welche die nordböhmische Arbeiterbewegung in Fluss brachten. Die frühe sozialistische Arbeiterbewegung war noch selbstverständlich verbunden mit Freidenkerbewegung, Religions- und Kirchenkritik. Seine politische Tätigkeit begann er mit einem Gedicht, dessen erste Strophe lautet:

Der Kampf beginnt, die Worte sind gefallen,
Wir sind erwacht, wir sind zum Kampf breit,
Und donnernd mag’s von Land zu Lande schallen:
Der Kampf beginnt für eine bessere Zeit.

Im damals zu Österreich gehörenden Böhmen, als es dort noch über drei Millionen Deutschsprachige gab, war Schiller als rebellischer Dichter sehr bekannt und wurde häufig zitiert. Unter den Arbeiter*innen Nordböhmens blieb er auch viele Jahrzehnte nach seiner Auswanderung nach Amerika und seinem frühen Tod populär. Heute ist er weitgehend in Vergessenheit geraten, auch weil seine deutschsprachige Leserschaft in Böhmen praktisch nicht mehr existiert.

Um 1880 entstand sein Gedicht „Der Geist der Geschichte“, in welchem Schiller den Unaufgeklärten zuruft:

Zu lange war für Recht und Wahrheit
Der Geist der Menschheit abgestumpft!
Jetzt naht die Zeit des Lichts, der Klarheit,
Die Zeit der siegenden Vernunft.

Texte in: Heiner Jestrabek (Hg.), Schiller Seff. Gedichte und Texte von Josef Schiller, nordböhmischer Arbeiterdichter, Freidenker und libertärer Sozialist. Mit einem Nachwort „Zum deutsch-tschechischen Verhältnis“, edition Spinoza im Verlag freiheitsbaum, Reutlingen und Heidenheim 2018

Verfügbare Texte: https://m.ngiyaw-ebooks.org/ngiyaw/author/schiller_josef.htm

Musik von Hanns Eisler (Klavierstücke für Kinder, 1932/1975)

Gestaltung: Bettina Landl

Damit es nicht verlorengeht ...

#POETISIERTEUCH

Foto © Otmar Schmid („Das rote Bologna. Kommunisten demokratisieren eine Stadt im kapitalistischen Westen“, Verlagsgenossenschaft Zürich, 1976)

Information zur Sendereihe

Arbeiterdichtung
Damit es nicht verlorengeht …
 
Wir nehmen auf, dokumentieren, sammeln, skizzieren, damit etwas bleibt. Es heißt: Aus der Geschichte lernen? Ob sich auch später jemand an „diese“ vergangene Geschichte erinnert oder wird eine andere, zukünftige Geschichte einen wichtigeren Platz einnehmen? 
 
Die Geschichten, sie sind fragil. 
 
Wenn wir Dinge festhalten wollen, geht das nur im Modus der Erinnerung. Arbeiterdichtung ist der Versuch einer Standortbestimmung. Ausgewählte Texte richten den Blick bzw. die Ohren auf dieses (historische) Phänomen, um damit gleichzeitig die Frage zu stellen: Ist Arbeiterdichtung auch heute noch relevant? – und: Was bedeutet sie für die Gegenwart?
 
Jede der sechs Sendungen ist einem der folgenden Arbeiterdichter*innen gewidmet: Adelheid Popp, Alfons Petzold, Andreas Scheu, Paul Zech, Josef Luitpold und Josef Schiller
 
Vielen Dank an: Teresa Klug und Gérard Houllard (Bibliothek & Infothek der Arbeiterkammer Steiermark), Andrea Schmidt und Jo Frank (Verlagshaus Berlin), Otmar Schmid, Werner Anzenberger (Bereichsleiter Soziales in der Arbeiterkammer Steiermark), Ute Sonnleitner (Leiterin der Bildungsabteilung des ÖGB Steiermark), Stadtrat Robert Krotzer und Bürgermeisterin Elke Kahr. 
 
Das Projekt wird finanziell unterstützt vom Land Steiermark und der Arbeiterkammer Steiermark.
 
Gestaltung: Bettina Landl
 
Damit es nicht verlorengeht …
 
#POETISIERTEUCH

Foto © Otmar Schmid („Das rote Bologna. Kommunisten demokratisieren eine Stadt im kapitalistischen Westen“, Verlagsgenossenschaft Zürich, 1976)

Bettina Landl


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