Das wilde Denken – Kulturanthropologische Gespräche

Wels - Urban-ethnografische Annäherungen an eine Mittelstadt. Mit Georg Wolfmayr. Wiederholung

Sendetermin 20.10.2014 06:30 bis 07:30
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Talk/Diskurs

Wels ist keine Metropole, es ist aber auch kein Dorf. Wels ist eine Stadt, aber dennoch überschaubar. Keine U-Bahnen bestimmen hier den Rhythmus des Verkehrs, sondern städtische Busse. Es gibt zwar verschiedene, sozial ausdifferenzierte Stadtviertel, das Wort Gentrifizierung kennt man hier aber nicht. Mit etwa 60.000 Einwohner_innen kann Wels als "Mittelstadt" bezeichnet werden: ein Terminus, der überlicherweise Städte zwischen 50.000 und 250.000 Menschen bezeichnet. In der kultur- und sozialwissenschaftlichen Forschung kontrastierte man die spezifisch ländlich-rurale Lebensweise auf dem Dorfe mit der großstädtischen Urbanität. Alles, was dazwischen lag, wurde vernachlässigt, obwohl Mittelstädte den lebensweltlichen Rahmen für viele Millionen Menschen auf der Welt bilden.

In seiner Dissertation, die er im Rahmen des Projektes "Mittelstädtische Urbanitäten. Ethnographische Stadtforschung in Wels und Hildesheim" des Instituts für Europäische Ethnologie in Wien schreibt, erforscht Georg Wolfmayr zweierlei: Erstens reflektiert er die (Selbst)Bilder der Stadt Wels und seiner Bewohner_innen in ihrer Relation zu anderen Städten. Zweitens geht es im um das Nachvollziehen des Lebensalltags und damit um die spezifische Urbanität dieser mittelgroßen Stadt.

Im Zuge seiner Feldforschung lebte Georg Wolfmayr sieben Monate in Wels. Er ließ sich von den Bewohner_innen in ihrer Stadt herumführen, sammelte "Mental Maps", machte teilnehmende Beobachtungen, führte Interviews und Gespräche am Wirtshaustisch. Ziel der Arbeit ist jedoch kein "Stadtportrait", keine Erfassung der Stadt als "holistisches" Ganzes, sondern eine subjektiv-reflexive Annäherung an die Stadtkultur dieser wenig beachteten Mittelstadt.

Im Rahmen des Forschungsprojekts "Mittelstädtische Urbanitäten" werden Wolfmayrs Erkenntnisse mit dem von Anna Eckert erforschten Kontrastbeispiel Hildesheim in Deutschland verglichen. Daraus ergeben sich einige interessante Gemeinsamkeiten und aber auch Spezifika dieser beiden Städte.

Information zur Sendereihe

Das wilde Denken – Kulturanthropologische Gespräche
Mit Robin und Ruth

Die Kulturanthropologie erforscht kulturelle Prozesse mit einem Fokus auf die Perspektive der Akteurinnen und Akteure. Unter Kultur versteht sie „The whole way of life“, sie erforscht die Lebensweise von Menschen und ergründet Bedeutungen und Zusammenhänge.

In Das wilde Denken sprechen Ruth Eggel und Robin Klengel mit jungen Wissenschaftstreibenden vom Institut für Volkskunde und Kulturanthropologie der Uni Graz über ihre aktuelle Forschung. Diskutiert werden Kulturanalysen zwischen Facebook und Ich-AG, Swingerclub und Wartezimmer, Prekarisierung und Selbstverwirklichung.

 

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