Das rote Mikro

Der usbekische Dichter Jodgor Obid liest aus seinem Werk

Sendetermin 15.07.2017 11:00 bis 12:00
K de
Literatur

Jodgor Obid wurde1940 in Taschkent geboren, der Hauptstadt von Usbekistan, das damals zur Sowjet-Union gehörte. Die ersten Gedichte – in der Form der usbekischen Tradition verpflichtet, im Inhalt aber zeitgemäß - veröffentlichte er schon während des Studiums und wurde bald in ganz Mittelasien bekannt.

 

Anfang der 1980er Jahre fiel Jodgor Obid beim Regime in Ungnade, weil er die politischen Zustände kritisierte. Die Folge waren Zwangsarbeit in Sibirien, Gefängnis in Usbekistan und weitere Verfolgung. Nach Jahren der Flucht durch mehrere Länder kam er 1997 nach Österreich. Als „Writer in Exile“ war er der erste Stipendiat des Projektes „Graz - Stadt der Zuflucht“, 2003 erhielt er die österreichische Staatsbürgerschaft.

 

In Graz hat Jodgor Obid so etwas wie eine zweite Heimat gefunden. Mit der deutschen Sprache tut er sich noch immer schwer, dafür spricht er fünf andere Sprachen. Er hat Lyrik aus dem Französischen, Spanischen, Ungarischen und Russischen ins Usbekische übertragen. Und Gedichte schreibt er noch immer, einige Lyrikbände sind mittlerweise in deutscher Übersetzung erschienen.

 

Ende Mai lud der Grazer Kunstgarten zu einer der äußerst seltenen Lesungen von Jodgor Obid ein. Der 77-jährige Dichter las in seiner Muttersprache, die Übersetzungen las Irmi Horn, Hausherrin und Motor des Kunstgartens, und Reinhard Ziegerhofer begleitete den Abend auf dem Kontrabass. Ausschnitte aus der Veranstaltung sind in dieser Sendung zu hören – eine seltene Gelegenheit, hierzulande in den Klang der usbekischen Sprache einzutauchen.

 

Bücher: Berge gebt mir euer Herz“, Gedichte, Übers. Martha Sever, Sandra Ziagos, Lieselotte Stiegler und Peter Deutschmann, Books on Demand 2002, + „Gedichte für Usbekistan. Poems for Uzbekistan“, Verlag Lulu.com 2016

 



Information zur Sendereihe

Das rote Mikro
Die wöchentliche Literatur-Schiene bei Radio Helsinki

In "Das rote Mikro" bringt Barbara Belic akustische Portraits von renommierten und aufstrebenden AutorInnen und MusikerInnen; fallweise bearbeitete Lesungsmitschnitte. Der Schwerpunkt liegt auf KünstlerInnen, die aus der Steiermark stammen, hier studiert haben oder in einem steirischen Verlag bzw Label veröffentlichen.

 

Barbara Belic


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