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Marko Feingold – Überleben in den Konzentrationslagern (Teil 2)

Sendung am 14.06.2018 19:00 bis 20:00

Feature/Magazin

Das Portrait eines außergewöhnlichen KZ-Überlebenden, der nach wie vor in zahlreichen Begegnungen mit jungen Menschen unermüdlich “erzählt, wie es wirklich war”.

Zweiter Teil des Gesprächs. Der erste Teil dieses in einem Stück erzählten Zeitzeugen-Gesprächs: http://cba.fro.at/111226

Dazu veröffentlichen wir jetzt auch den zweiten Teil der Gespräche, die wir eine Woche vor seinem runden Geburtstag mit ihm geführt und aufgenommen haben. Hier ist also noch einmal die Geschichte der vielen “Zufälle” zu hören, die uns Marko Feingold in der Synagoge erzählte – als Antwort auf die eine eingangs gestellte Frage: “Wie überlebt man das?”

Marko Feingold im PortraitDas Besondere bei diesen Gesprächen ist auf jeden Fall, dass es uns gelungen ist, eine sehr authentische Gesprächssituation mit neugierigen Jugendlichen einzufangen. Also wollen wir in der Radiosendung zum einen Ausschnitte daraus zu Gehör bringen, zum anderen auch persönliche Eindrücke von unserer Begegnung mit einem Mann vermitteln, der einfach nicht aufgibt. Der seit vielen Jahren insbesonders vor Jugendgruppen und in Schulen immer wieder aufs Neue darüber berichtet, was er alles erlebt hat. Und der darüber hinaus die besondere Eigenschaft besitzt, dieses Erlebte bei den Zuhörenden emotional lebendig werden zu lassen. Auch wenn man etwa meint, schon so ziemlich alles über den Holocaust und die Zeit des Nationalsozialismus zu wissen – nach drei Stunden mit Marko Feingold muss man sein Geschichtsverständnis dann doch grundlegend revidieren. Weil Wissen allein eine höchst einseitige Angelegenheit ist – und erst das Miteinbeziehen dessen, WIE ES SICH ANFÜHLT, ein irgendwie ganzheitliches Verstehen von “Vergangenheit” bewirkt.

Marko Feingold im GesprächGenau dieses emotionale Erleben, dieses mitfühlen Machen war es, das uns so nachhaltig beeindruckt hat. Und auch wenn nichts über die persönliche Begegnung mit einem Zeitzeugen geht, der so leidenschaftlich, humorvoll und spontan erzählen kann, so wollten wir doch etwas von dieser Gefühlsatmosphäre auch für die Nachwelt festhalten. Jetzt sind also unsere Aufzeichnungen komplett – in einem weiteren Artikel zum Marko Feingold Projekt finden sich auch noch die Gespräche vom Jüdischen Friedhof mit einigen kritischen Anmerkungen zum Antisemitismus im Salzburg der Nachkriegszeit, der hier wohl tief verwurzelt ist und unglaublicherweise bis in die Gegenwart fortwirkt. Lassen wir jetzt zum Schluss also noch einen der jungen Mitgestalter des Projekts zu Wort kommen:

“Er erzählte uns wie es wirklich war.

Er erzählte uns was wirklich geschehen ist.

Ich war entsetzt, schockiert, es sprengte jegliche meiner Vorstellungen; als wäre ich in einen nie enden wollenden Strudel eingesogen worden. Es war seine Stimme, sein Sprachfluss die mich unaufhaltsam mitrissen und die mir die Schrecklichkeit dieser Zeit geradezu in meinen Geist brannten.

Es war eine mich definitiv prägende Begegnung, die mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird und die mir eins klar machte: Thomas Bernhard hat noch schwer untertrieben…”

Eine Anmerkung zur Sendung:

Eine Sendungsübernahme von Artarium - Radiofabrik Salzburg. Danke an Norbert K.Hund und Christopher Schmal. Die Radiofabrik hat auch zur Erinnerungskultur die Hörstolpersteine initiiert.

Es sind diese Stimmen von ZeitzeugInnen, die mahnen, was geschehen kann, wenn Politik sich entmenschlicht. Noch leben wir in einer Demokratie. Noch.


Nächste Woche: "Basisbildung, Freie Radios und ArbeiterInnengeschichte"

Omid, Hamid-Reza und Hossein beschäftigen sich mit Fragen der Basisbildung für MigrantInnen, Freien Radios und ArbeiterInnengeschichte. Dazu haben sie gesprochen mit Elisabeth Pongratz und Doris Ibounigg von uniT / Kunstlabor Graz. Dem Sozialhistoriker Joachim Hainzl (Xenos) und der Kulturvermittlerin Karoline Boehm (Grazmuseum). Dem Mitarbeiter von Radio Helsinki Manfred Kinzer. Den Workshop geleitet hat Walther Moser.


 

Freiraum, Werkstatt, Labor, Bühne, Lernraum

c/o ist gemeinsam gestaltetes Radio. Ein Freiraum, eine Werkstatt, ein Lernraum - ein Ort an dem Vieles entstehen und verbunden werden kann. Ein Freiraum, weil c/o offen ist, für Menschen, ihre Themen und Ideen. Eine Werkstatt, weil wir hier gemeinsam an Sendungen arbeiten. Ein Lernraum ist jede Sendung. c/o ist auch eine Adresse im Radio für jene, die Ideen haben aber keine eigene Sendung.

 

 

Walther Moser
Email: walt@mur.at

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Auf dem Weg ins Hier und Jetzt! 100 Jahre Republik Österreich

Auf dem Weg ins Hier und Jetzt – Teil 29: Der Ausbruch der globalen Finanzkrise im Jahr 2008
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