Weiblich, migriert, unsichtbar

Eine Vortrags- und Diskussionsreihe über die Verdrängung von Migrantinnen und geflüchteten Frauen aus dem öffentlichen Raum im Radio Helsinki Funkhaus-Foyer. Eintritt frei.

 

 

 

 

 

 

 

 
Weiblich, migriert, unsichtbar – Die Verdrängung von Migrantinnen und geflüchteten Frauen aus dem öffentlichen Raum

Eine Vortragsreihe im Radio Helsinki Funkhaus-Foyer (Schönaugasse 8, 8010 Graz).
Eintritt frei.

Moderation der Expertinnengespräche: Dr.in Johanna Stadlbauer; Kulturanthropologin und Mag. Dijana Simic; Slawistin

14.2.2019, 19 Uhr
Elli Scambor (Soziologin, Institut für Männer- und Geschlechterforschung): Die Rolle von Männern im Prozess der Verdrängung und Unsichtbarmachung von geflüchteten/migrierten Frauen

Krankheitsbedingt spricht statt Elli Scambor Faraz Baradaran LEILABADI (Gruppenleiter beimProjekt HEROES).

31.1.2019, 19 Uhr
Emina Saric (Projektleiterin des Projektes Heroes): Heroes - gegen Unterdrückung im Namen der "Ehre"
29.11.2018, 19 Uhr
Petra Leschanz
(Juristin, Frauenservice): Das österreichische Asyl- und Fremdenrecht und die Auswirkungen auf geflüchtete/migrierte Frauen 22.11.2018, 19 Uhr
Clara Millner (Juristin, Antidiskriminierungsstelle Steiermark): Hate Crimes im öffentlichen Raum und ihre Konsequenzen

Zum Projekt:

Der urbane öffentliche Raum ist Ort der Begegnung und Konfrontation unterschiedlicher Generationen, Geschlechter und Kulturen. Ein freies Bewegen und eine aktive Teilhabe am öffentlichen Raum ist allerdings selbst in modernen demokratischen Gesellschaften keine Selbstverständlichkeit. Eine große Anzahl der in den letzten Jahren nach Österreich migrierten oder geflüchteten Frauen stammen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Häufig kommen sie aus Kulturen, in welchen Frauen unterdrückt werden und die Gleichberechtigung der Geschlechter kaum ein Thema ist. In Österreich angekommen, ist es für viele dieser Frauen schwierig, das altbekannte Wertesystem hinter sich zu lassen und stattdessen die neuen Chancen und Freiheiten zu nutzen. Auch weil die eigene Identität sich erst an die veränderte Umgebung anpassen muss. Selbst Frauen, die bereits in Österreich geboren und hier aufgewachsen sind, leben oft in einer von Männern dominierten Parallelwelt. Diese erfährt eine Verfestigung, indem Diskriminierung und Rassismus von MitbürgerInnen auf der einen Seite und staatliche Regulierung und Kontrolle auf der anderen Seite Migrantinnen und geflüchtete Frauen aus der Öffentlichkeit, in der sie noch nicht einmal richtig angekommen sind, ins Private zurückdrängen. Der infolge des sog. „Anti-Gesichtsverhüllungsgesetzes“ – der österreichischen Beschreibung für das Burkaverbot – (vermutlich) erfolgte Rückzug von verschleierten Frauen in ihre Wohnungen ist hier als konkretes Beispiel zu nennen. Paradoxerweise werden derartige Bekleidungsvorschriften mit dem Kampf gegen den konservativen Islam und der „Befreiung und Integration muslimischer Frauen“ gerechtfertigt, sie erreichen aber genau das Gegenteil. Folgen dieses Eingriffes „von „oben“ sind Ausgrenzung- und Diskriminierungserfahrungen, die wiederum dazu führen, dass sich Migrantinnen vor allem im Kontext ihrer Familie, ihrer Migrationsgruppe oder in eigenen sozialen Netzwerken bewegen. Und für den Großteil der Umgebungsgesellschaft unsichtbar bleiben.

 

Wenn auch die Integrationspolitik und die Gesetzgebung der Aufnahmestaaten vor der Herausforderung stehen, einen offenen Umgang mit kulturellen Differenzen zu finden und gleichzeitig die universalen Grundrechte auch für Migrantinnen zu garantieren, ist es mehr als kontraproduktiv, Frauen durch unterschiedliche Regulative in die Begrenztheit des privaten Umfeldes zurückzudrängen und ihnen gesellschaftliche Partizipation zu verwehren. Viele Integrationsprogramme sind immer noch zu wenig oder überhaupt nicht gender-sensitiv. Sie zielen kaum auf das Empowerment von Migrantinnen, das Fördern von sozialen Netzwerken oder eine umfassende Teilhabe ab. Beim Erreichen ihres Ziels, (migrierter) Frauen aus der Isolation zu holen und zu einem gleichberechtigen und selbstbestimmten Leben zu verhelfen, erleben Frauenbewegungen und -organisationen gegenwärtig deshalb herbe Rückschläge.

 

In einer Vortragsreihe wird den Fragen nachgegangen, welche Räume für Migrantinnen und geflüchtete Frauen in Österreich offen stehen, in welchen Milieus sie sich bewegen und wie es angesichts der beschriebenen politischen Regulierungstendenzen und eines möglichen privaten und öffentlichen Drucks um ihre Entscheidungsfreiheit steht. Dabei werden die vielfältigen Realitäten migrierter Frauen berücksichtigt.

 

Gefragt wird auch nach den Geschlechterbeziehungen und ihren Veränderungen wäh­rend des Migrations- und Niederlassungsprozesses. In welchen Bereichen kommt es infolge der Migration zu einer Schwächung, wo zu einer Stärkung der Position von Frauen? Welche Rahmenbedingungen würde es für Betroffene brauchen, um eine gleichberechtigte Teilhabe am öffentlichen Raum zu ermöglichen? Wie kann soziale Ungleichheit in der städtischen Gesellschaft beseitigt werden.

 

Zielgruppen und Ablauf:

Die Vortragsreihe richtet sich an ein breites und vielfältiges Publikum. Vorrangiges Ziel ist, Betroffene zu Wort kommen zu lassen und Erfahrungen von Vertreterinnen von Frauenorganisationen zu hören. Beide Gruppen sind als Expertinnen zu sehen. Das Publikum wird sich aus Menschen zusammensetzen, die beruflich oder privat mit zugewanderten und geflüchteten Frauen zu tun haben, aber auch aus an der Thematik interessierten Personen.

 

Die Veranstaltungen bestehen aus Impulsreferaten und/oder finden in Form eines Gesprächs zwischen den Expertinnen und der Moderation statt. Anschließend folgen eine Publikumsdiskussion sowie eine vertiefende Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Vortragsinhalt und dem übergeordneten Schwerpunktthema. Geplant ist eine Übertragung aller Vorträge im Radio.

 

Projektkonzeption: Victoria Kumar; Historikerin, freie Radiojournalistin

Projektkoordination: Marlies Pratter; Philosophin, Radiojournalistin

 

Die Vortragsreihe wird gefördert von der Österreichischen Gesellschaft für Politische Bildung.

 

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Das rote Mikro

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Soundscape der Woche

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